Sehr geehrte Damen und Herren,
beim Suchen nach dem Begriff "Fundament unterfangen" bin ich auf dieses Diskussionsforum gestoßen. Gratulation an alle Beteiligten! Habe natürlich schon fast alles zu diesem Thema gelesen, und ich fürchte, ich kenne Ihre Antwort auch schon (Experten heranziehen - nicht selber graben - teuer, teuer). Dennoch möchte ich meinen Fall schildern, weil ich glaube, dass so etwas nicht alle Tage vorkommt. Ich danke schon jetzt allen, die mir einen Rat geben können, und entschuldige mich schon mal für den etwas lang geratenen Bericht. Aber ich dachte, ich beschreibe gleich alles mal ausführlich, dann kann man sich ein besseres Bild machen.
Folgendes Problem: Wir (3-köpfige Familie) bewohnen ein Einfamilienhaus, das als Winkel ausgebildet ist. Die Innenseite des Winkels ist nach Südwesten ausgerichtet. Hier befindet sich die Terrasse, die ebenerdig mit dem Erdgeschoss ist. Das Haus hat ca. 180 m² Grundfläche brutto, dh. ca. 140 m² Wohnfläche netto (im EGAbk.). Es ist nur ein Teil des Hauses unterkellert (ca. 110 m²) der Rest des Kellers (ca. 70 m²) besteht aus einem etwa 90 cm hohen "begehbaren" Kriechkeller, der auf ebenso hohen Streifenfundamenten steht. Nun sind ca. 7 m des 9,5 m langen westlichen Streifenfundaments abgesackt. Die nicht abgesackten 2,5 m sind nämlich "normal tief" gegründet (wie der Rest des Kellers ca. 2,5 m tief). Dieser "normal tief gegründete" Teilbereich war schon immer abgegraben und somit durch eine Tür vom "normalen Keller" aus begehbar (gestampfte Erde).
Auf das Absacken des Fundaments sind wir kürzlich (nach der großen Hitze) aufmerksam geworden, weil sich an besagter Wand außen ein langer Riss im Putz auf Höhe Unterkante Kellerdecke gebildet hat. Als ich daraufhin in den Kriechkeller gekrabbelt bin, konnte ich einem dünnen Holzspan zwischen Fundament und Kellerdecke zum Teil nach draußen durchstecken. Der Spalt zwischen Fundament und Kellerdecke beträgt ca. 1-2 cm auf einer Länge von ca. 7 m (bis in die Südwestliche Hausecke).
Weitere Daten zum Haus:
- Baujahr: 1975/76, von uns gekauft 1991
- Vollkeller: Ortbeton, 24 cm (oder wie das heißt)
- Kriechkeller: Fundamentstreifen aus 3 Reihen 24-er Hohlblock (75 cm hoch) auf ca. 15-20 cm Betonstreifen.
Dieser Kriechkeller ist ca. 9,5 m mal 8,5 m groß. Nicht ganz in der Mitte verläuft ein weiterer Fundamentstreifen parallel zum abgesackten Fundament, welcher die darüber liegende tragende Wand trägt. Dieses Fundament hängt auch schon ca. 5 cm auf 2 m Länge in der Luft (sichtbar im begehbaren vorderen Teil des Kriechkellers). Als Querachse sind ebenfalls Streifenfundamente ausgeführt, sodass dieser Kriechkeller in 4 große "Räume" unterteilt ist, die zum Teil über nachträglich durchbrochene Öffnungen "bekriechbar" sind.
- Die Kellerdecke besteht aus armierten Betonträgern, in die Hohlblocksteine eingehängt wurden (OMNIA-Decke). Das alles wurde noch mit Ortbeton überbetoniert und mit Eisenmatten armiert. Zwischen Fundament und Kellerdecke liegt ein Streifen "Teerpappe", sodass keine feste Verbindung dazwischen besteht.
- Die Erdgeschossdecke ist eine Holzbalkendecke, das Dachgeschoss noch nicht ausgebaut.
- Das Dach hat eine Neigung von 25-30 Grad und ist (seit 3 Jahren) mit Tonziegeln eingedeckt (vorher waren Teerschindeln drauf, ein Statiker war auch beteiligt, aber natürlich nur wegen der Dachsparren).
- Baugrund: Ehemaliger Bach, der damals (in den 70 ern, als das Baugebiet erschlossen wurde) verdohlt und umgeleitet wurde. Das Haus steht, soweit ich das beurteilen kann, auf gewachsener Erde (dunkler Lehm). Es ist sehr feucht in dem Kriechkeller, und bei längerem Regen hatten wir anfangs manchmal eine richtige Überschwemmung). Durch die Verbindungstür ist es auch im "regulären Keller" immer etwas muffig. Um dem abzuhelfen habe ich gleich nach Bezug an der "nassesten Stelle" einen Sickerschacht betoniert, der mit einer Tauchpumpe in den Abwasserkanal entleert wird. Dieser Sickerschacht liegt an der diagonal entgegengesetzten Hausecke, wo jetzt das Fundament abgesackt ist. Der Lehm, ist im nassen Zustand äußerst klebrig und im trockenen zäh bis steinhart und neigt dann zu Rissbildung (vermutlich durch Schrumpfen).
- Das Baugebiet liegt an einem Westhang am Westrand der Schwäbischen Alb mit einem durchgehenden Gefälle von ca. 5-10 %. Oberhalb unserer Straße gibt es noch 2 weitere Straßen mit ca. 4 Reihen Häusern, bevor der Wald und der Steilhang zur Schwäbischen Alb beginnt (für Ortskundige "Das Klippeneck").
Meine naheliegende Vermutung ist, dass sich das Fundament durch (langsame) Austrocknung des Bodens gesetzt hat. Der diesjährige heiße Sommer hat dann noch seinen Teil dazu beigetragen.
Was mich nun wirklich beunruhigt ist die Tatsache, dass wir an 2 Stellen im "hängenden" Teil des Hauses schon feine Rissbildungen in der Tapete sehen können, die kürzlich noch nicht da waren. Kein Wunder, werden die Experten sagen, wenn 7 m des Hauses quasi in der Luft hängen. Dass hier dringend etwas unternommen werden muss ist klar, nur was und wie? Muss die Kellerdecke (bis endgültig feststeht was zu tun ist) "gespriesst" werden? Wie kann dieses Absacken dauerhaft verhindert werden? Muss der ganze Keller ausgegraben werden? Kann man das überhaupt tun? Wie komme ich an die "richtigen" Experten (wenn ich zum nächsten Architekten/Statiker/Baubüro gehe, dann wird der ja wohl nicht sagen, "das kann ein anderer besser", auch wenn es so wäre)?
Nochmals vielen Dank für Ihre Tipps.
Mit freundlichen Grüßen
Karlheinz Stengel