Modernisierung / Sanierung / Bauschäden

Holzbalkendecke mit 1,10 m Balkenabstand

In einem sehr "leicht" gebautes Haus Bj. 1928 muß die Decke über dem EGA saniert werden.
Der Estrich-Fußboden ist an einigen Stellen durchgetreten und eine wirksame Trittschalldämmung ist nicht vorhanden.
Nach Öffnen der Decke ergab sich folgendes:
Die Balken 10/20 liegen im Abstand von 1,10 m (Achsmaß) bei einer Überspannweite von 4,50 m. Mit einem sehr seltenem Aufbau: Zwischen den Balken sind aller 45 cm senkrechte 24er Bretter als Wechsel eingebracht, diese stützen sich auf Latten 24/48, die seitlich an die Balken angenagelt sind. Auf diesen Wechseln liegen 5 cm HWLA-Platten bündig mit der Balkenoberkante als Untergrund für einen ca. 3,5 cm starken Zementestrich.
Der gesamte Aufbau, von oben nach unten:
Bodenbelag
3,5 cm Zementestrich
5 cm HWL-Platten (zwischen den Balken, aufliegend auf den Wechseln)
10/20 cm Balken, Luftraum nicht ausgefüllt
3 cm HWL-Platte
1,5 cm Verputz
Einen Zwischenbalken einziehen oder die Balken verstärken ist nicht möglich. Die Wechsel können nicht entfernt werden, da hängt die untere HWL-Platte mit Verputz dran. Die Wohnung darunter ist bewohnt. Ebenso darf die Aufbauhöhe wegen vorhandener Heizkörperleitungen maximal 70 mm über den Balken sein. Und zu guter Letzt hat die Decke noch ein Gefälle von fast 4 cm, welches ausgeglichen werden soll.
Variante 1
Zuerst dachte ich auf Grund des großen Balkenabstandes an einen FB-Aufbau mit LEWIS-Schwalbenschwanzplatten. Zum Ausgleichen des Gefälles müssten die Balken mit Keilen vesehen werden. Darauf dann Dämmstreifen (20 mm), die Schwalbeschwanzprofile (16 mm) und 34 mm Zementestrich.
Zur Schalldämmung bekommt der Hohlraum eine Lage Mineralwolle (80 mm) auf die untere HWL-Platte.
Variante 2
Auf der Seite von K.-H. Ries (http://www.khries.de/boden.htm
Diese Konstruktion würde ich folgendermaßen modifizieren:
Die vorhandenen Wechsel werden mit einer Latte 24/48 aufgedoppelt, seitlich an die Balken werden als Auflager Latten 24/48 angeschraubt. Beide tragen eine 25 mm Spanplatte, eingepasst zwischen die Balken, bündig mit der Balkenoberkante. Darauf Rieselschutz und Perlite-Schüttung zum Ausgleich des Gefälles. Auf diese dann eine Trittschalldämmplatte und eine 22 mm Trockenestrichplatte. Zur Schalldämmung bekommt der Hohlraum ebenso eine Lage Mineralwolle (80 mm) auf die untere HWL-Platte.
Fragen:
Sind beide Varianten schlüssig?
Welche Variante ist vorzuziehen unter Beachtung der Tragfähigkeit der Deckenbalken und zur Erzielung einer größtmöglichen Tritt- und Raumschalldämmung?
Gibt es weitere Möglichkeiten?

Name:

  • ArnimW
  1. warum ..

    .. "muss" saniert werden?

  2. weil...

    ... der Estrich mehrfach gebrochen ist und die darunterliegenden HWLA-Platten weich geworden sind. Ausserdem ist die Trittschalldämmung mangelhaft.

  3. Klar.....

    Werter Fragesteller
    bricht der Estrich. Da fehlt die Tragschicht. Bei 1,1 m Abstand dürfte eine 25er Spanplatte auch reichlich Durchbiegung kriegen.
    unter 38 würd ich da nicht beigehen. Ungerechnet nach Gefühl mit Angstzuschlag ;-).

  4. gegen die Angst...

    haben die Altvorderen die Wechsel im Abstand von 45 cm zwischen die Balken verbaut. Ist dem werten Forum schon mal eine solche Deckenkonstruktion untergekommen?
    Kann auch ein Foto liefern falls die obige Beschreibung nicht bildfaft genug ;-)

    Name:

    • ArnimW
  5. Holzbalken mit 1,1 m Balkenabstand

    Wenn der Estrich mehrfach gebrochen ist liegt das daran, dass die gesamte Deckenkonstruktion sich durchbiegt. Ein Zementestrich ist zu starr um diese Durchbiegungen mitzumachen. Als Estrich/Lastverteilungsschicht brauche Sie eine flexible Lösung die wenig Gewicht auf der Deckenkonstruktin aufbringt. Es stellt sich die Frage was als Oberbeleg auf der Lastverteilungsschicht verlegt werden?
    Schauen Sie bei http://www.lazemoflex.de

  6. Den Brettchen..

    die Sie als Wechsel bezeichnen ist rechnerisch sowieso nichts abzugewinnen. Und praktisch würd´ich da auch nicht viel drauf geben. Bei dem Verhaltniss b/h in Verbindung mit der Spannweite weichen die ungehalten glatt aus. Und zum Halten kriegt man die auch mit ner Latte dran nicht sicher.
    Das ist für mich eine Brücke, über die ich nicht gehen würde.

  7. Lassen wir die Brettchen

    aussen vor. Wenn man seitlich an den Balken ein Auflager (Latte 24/48?) anschraubt, darauf dann 40 mm Span- oder OSBA-Platten (oder auch Bohlen) zwischen die Balken einpasst, ist das als tragfähiger Unterbau ausreichend?
    Zur Frage von Josef Erhardt: als Oberbelag ist Teppichboden vorgesehen.

    Name:

    • ArnimW
  8. Ich würde

    als Laie einfach zusätzliche Balken zwischen die vorhandenen setzen.

  9. Lassen wir die Brettchen

    aussen vor. Wenn man seitlich an den Balken ein Auflager (Latte 24/48?) anschraubt, darauf dann 40 mm Span- oder OSBA-Platten (oder auch Bohlen) zwischen die Balken einpasst, ist das als tragfähiger Unterbau ausreichend?
    Zur Frage von Josef Erhardt: als Oberbelag ist Teppichboden vorgesehen.

    Name:

    • ArnimW
  10. Foto?

    Hallo ArminW,
    Ein Foto wäre vielleicht nicht schlecht zum Verständnis.
    Mit viel Geschick und Hilfskonstruktionen könnte man vielleicht doch zusätzliche Balken einziehen. Denke dabei wie folgt: pro Balkenfeld diese Wechsel zu weiter entfernt liegenden Balken mit Latten abfangen, in die Wechsel den Ausschnitt für den neuen Balken sägen (... hoffen das die Vibrationen dabei nicht die HW-Decke der Wohnung darunter schädigt), Balken einsetzen und an im die Wechsel mit befestigen.
    Nur so ne Idee....
    Grüße von

  11. Hallo Herr Haas, ein Foto sende ich Ihnen ...

    Hallo Herr Haas,
    ein Foto sende ich Ihnen gern per mail zu. Die Idee, neue Balken einzuziehen war auch meine erste. Bisher schreckte mich der hohe Aufwand und die Außenwandkonstruktion ab. Alle Außenwände bestehen aus einem Fachwerk aus 10/10 Balken, beplankt mit 5 cm HWLA-Platten und Verputz.
    Die neuen Balken sollten eine Höhe von 20 cm haben, was bedeutet dass die Wechsel komplett durchtrennt werden müssen. Die untere HWL-Platte als Putzträger ist nur 3 cm dick, da sollte nicht arg dran gerüttelt werden. Ich hab da einige Bedenken...

    Name:

    • ArnimW
  12. Balkendecke

    Hallo Armin W.
    nach Ihre Beschreibung zufolge, könnte man es auch mit einer
    Holzbetonverbunddecke versuchen. (Timco-decke) heißt heute anders.
    Vorteil. Statische Tragfähigkeit der Decke wird erhöht,Brand-und
    Schallschutz um ein wesentliches verbessert.
    Auskünfte und Berechung erfolgen durch den Statiker.
    Mit freundlichen Grüßen

  13. nicht schlecht ;-)

    aber bevor ich an e. hbv-decke denke, kommen erst ein paar andere,
    zumeist einfachere lösungen wie o.g., zusatzbalken oder hws-platte
    oder bretter + dünne hws-platte.
    hbv ist ultima ratio - die alternative, tragfähigkeit und schwingungsverhalten
    in den griff zu bekommen, wenn die einzige alternative ein abriss
    und kompletter deckenneuaufbau ist.
    wie gesagt: vorher die anderen lösungen untersuchen lassen - dann wird´s was :-)
    ein statiker mit sanierungserfahrung sollte das in den griff kriegen.

  14. Versuch eines Fazits...

    ...es gibt keine "kleine" Sanierung!
    Werde aber auch nicht in Richtung HBV-Decke bzw. Abriss/Neuaufbau marchieren.
    Der Balkenabstand von 1,10 m zwingt zu einem höheren FB-Aufbau als vorgesehen. Den Einbau der tragfähigen Schalung zwischen die Balken (um Aufbauhöhe zu gewinnen) habe ich verworfen. Das einzige Manko, dass die HK-Leitungen versetzt werden müssen, soll das kleinere Übel sein. Ich denke mit einer konventionellen Lösung gut leben zu können: 40 mm OSBA-Platten auf die Balken, Ausgleichsschüttung, Trittschalldämmplatte, 22 mm Trockenestrichplatte, Teppichbelag. Zwischen die Balken eine Lage Mineralwolle (80 mm). Einen Statiker werde ich trotzdem drauf schauen lassen.
    Mein Dank geht an alle Beteiligeten in diesem Forum!

    Name:

    • ArnimW
  15. Ich hab mal nachgerechnet

    der derzeitige Bodenaufbau erfordert bei vorh. Abstand Balken von ca. 14x24 cm. Die sind aber definitiv nicht da. Daher erst mal die große Durchbiegung mit den entstandenen Schäden.
    Es sieht aus, als wäre der Estrich erst nachträglich reingekommen, da man auch in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit den Dimensionen nicht sooo übertrieben sparsam war.
    Sinnvoll wäre es daher, die vorhandene Konstruktion für die Decke des darunterliegenden Zimmers zu belassen und neue, zusätzliche Balken für den Fußboden dazu zu legen. Estrich und Staken müssten dafür natürlich erst raus. Danach kann man aber fast alles machen, was man will. Inklusive die 4 cm Höhendifferenz ausgleichen.
    Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen

  16. Nutzbeläge auf den Lazemoflex Fußbodensystem

    Antwort an ArnimW
    Ich habe auf dem Lazemoflex Fußbodensystem bisher Fliesen, Natursteine, Zementfliesen, Parkett, Teppich- und weiche PVC-Beläge verlegt.
    Gruß
    Josef Erhardt

  17. übertrieben sparsam

    scheinbar doch, denn der FB ist bis dato nicht verändert worden. Kleine Ironie am Rande: der Architekt hat selbst in diesem Haus gewohnt!

    Name:

    • ArnimW

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