BAU.DE - hier sind Sie:

Fenster und Außentüren

Risse in innerer Fensterscheibe - Suche nach Ursache

Bei unserem fast drei Jahre alten Haus ist am Wochenende an einem Terrassenfenster (ca. 0,8 x 2m) der untere Teil der inneren Fensterscheibe gerissen.

Hier ein paar Fakten zur Lage des Risses und anbei ein Foto:

  • Nur die innere Scheibe der Dreifachverglasung ist gesprungen
  • Riss befindet sich hinter dem Sofa und Fallschutz (alles weich)
  • Riss scheint vom Rahmen auszugehen
  • Ausrichtung Süd-Süd-West

Gewährleistungsansprüche wurden abgelehnt mit der Begründung, dass es sich wahrscheinlich um einen Spannungsriss handelt. Allerdings gibt es in der Nähe weder innen noch außen Anzeichen von Setzrissen.

Ich freue mich sehr über Ihre Hinweise, Tipps oder Erfahrungen zur möglichen Ursache des Fensterrisses. Vielen Dank im Voraus!
SW

Anhang:

Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.

Name:

  • S. Werner
  1. Spannungsrisse?

    Die können ja nicht auftreten, da der Fensterbauer alle aus dem Bauteil Wand, Decke und Sturz anfallenden oder auch zu erwartenden Verformungen und Veränderungen (Schwinden kriechen etc.) bei der Bemessung der Bauteilfuge zu berücksichtigen hat und sofern die Scheibe ordnungsgemäß verklotzt worden ist, können derartige Spannungrisse nicht auftreten.

    Ihr Problem bei der Geschichte ist hat, dass Sie nach der Abnahme beweisen müssen, dass der enstandene Riss nicht auf Ursachen die aus Ihrem Verantwortungsbereich stammen entstanden ist.

    Wie lange liegt die Abnahme denn schon zurück bzw. wie lange haben Sie denn noch Mangelhaftung (frühere Bezeichnung: Gewährleistung)?

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Reinartz

  2. Marke?

    Ahoj welche Marke wurde verbaut.... Meeth?
    die, und andere Auch, verkleben die Scheibe, mit dem Kunstoff..... Da, kann sowas eher vorkommen...

  3. Es handelt sich bei dieser......

    .....Art von Rissen um einen sogenannten thermischen Sprung. Diese entstehen, wenn die Scheibe in der Winterjahrenszeit bei flach stehender Sonne partiell abgedeckt und dadurch unterschiedlich stark erhitzt wird.

    Ab 40°K Temperaturdifferenz können solche Risse vorkommen. Je mehr Risse, desto stärker die Energie und desto höher die Temperaturdifferenz. Das von Ihnen beschriebene Sofa könnte so einen Riss ausgelöst haben.

    Anhang:

    Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  4. Können Sie das kurz erläutern?

    Wie bitte trägt das Sofa dazu bei?

    Beispiel: Raumluft 23°, Außenluft -10°

    Das Sofa ändert doch an der Temperatur der Scheibe innen nicht (zumindest nicht wesentlich) etwas!

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Reinartz

  5. Die Frage nach der Gewährleistung......

    ......kann ich hier nicht beantworten, da es sich dabei um eine Rechtsfrage handelt. Verantwortlich im Sinne eines "Produktfehlers" ist der Fensterlieferant nicht.

    In Baden-Württemberg werden von den Innungsglasern sogenannte "Gebrauchsinformationen" an die Endkunden weitergegeben, bei denen diese Art von Rissen beschrieben wird und wie man als Endkunde vorgeht, damit so ein Riss nicht entsteht.

  6. @Herr Reinartz......

    Gegenstände die sich innen im Raum, in Glasnähe befinden, können bei Wärmedämmglas die Glastemperatur extrem erhöhen.

    Beispiel: Wintersonnenstand bedeutet, dass die Sonne sehr flach gegen die Scheibe scheint und die Sonnenenergie (kurzwellige Wärmestrahlung) sehr gut durch das Glas hindurch kommt.

    Trifft diese Sonnenenergie auf einen Gegenstand hinter dem Glas, der den Durchfluss blockiert kommt es zum Wärmestau. Die jetzt abgestrahlte Wärme ist eine sogenannte langwellige Wärmestrahlung, die das Glas nicht mehr nach außen passieren kann. Wir Glaser sprechen von einem positiven Wärmestau.

    Je nach Dämmgrad und Farbe des Objektes, sowie dem Abstand zur Scheibe sind unterschiedliche Aufheizungen möglich. Diese Aufheizungen gehen soweit, dass Temperaturen bis 90°C (partiell) auf der Scheibe möglich sind. Ich versuche mal im Anschluss an meinen Text ein Foto zu posten, bei dem ich mal an die 70°C gemessen habe, ausgelöst durch eine dunkle Styropor-Dämmplatte, die im Winter gegen die Scheibe gelehnt wurde.

    Anhang:

    Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  7. Gut in Ordnung!

    Da hammer alle -so ich auch- wieder etwas dazu gelernt. Nun gut, dass die Temperaturen sich ändern ist klar, auch negativ, soweit auch klar, allerdings in diesem Ausmaß, dass hätte ich persönlich nicht gedacht. Jedenfalls dann nicht, wenn da ein halber Meter Platz dazwischen ist. Direkt davor gestellt oder sogar dran an gelehnt, auch klar, auch das kann ich mir vorstellen. Aber mit einem halben Meter Platz dazwischen ein solches Ausmaß der Aufheizung, .... puhhhh, nun gut, ich muss es Ihnen glauben, auch wenn`s schwer fällt.

    Trotz Allem, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass eine Scheide, die korrekt verklotzt ist, dann reissen soll bzw. besser gesagt, obwohl sie korrekt verklotzt ist, dann einfach so reissen soll. Aber nun gut, auch dass werde ich glaube müssen. Einen derartigen Fall -einfach mal eben und ohne handfesten Grund, einfach nur so gerissen- wie Sie es hier beschreiben hatte ich noch nicht. Wenn gerissen dann war die Scheibe auch immer falsch verklotzt.

    Mit freundlichem Gruß

    Markus Reinartz

  8. Hallo........

    .....Herr Reinatz, ich habe mittlerweile mehrere hundert praktische Glasbruchanalysen hinter mir. Diese Hitzerisse sind sogar richtig schön reproduzierbar. Je nach Temperatur gibt´s ein leicht variierendes Schadensbild. Hitzerisse haben mit dem Verklotzen sowenig zu tun wie Flächendruckrisse, Deltarisse, Barbelé-Risse, Nickelsulfidrisse, etc.

    An der Fensterakademie in Karlsruhe gibt´s ab und zu von mir ein Seminar zum Thema Rissanalysen. Ich kann nur sagen, es mach tierisch Spaß ;)
    Der nächste Vortrag zum Thema findet am 9. Juni 2016 statt allerdings in der franz. Schweiz.

    http://www.fensterbausieber.de/sv-buero/index.php

  9. Oh

    ...bei einem solchen Seminar wär ich gern mal dabei - aber franz. Schweiz - das ist etwas sehr weit von Berlin - schade.

  10. Waren Sie denn schon einmal dort?

    Auf einem derartigen Seminar, Herr Sieber?, achso ja, Sie veranstalten die ja!

    Scherz beiseite, ich habe dann einmal nachgelesen, man muss ja bekanntlich nicht alles wissen, man muss lediglich wissen, wo dies alles denn dann nachgelesen werden kann.

    Die von Ihnen benannten Sprünge bzw. der von Ihnen benannte Sprung ist sodann -laut Ihrer Aussage- ein thermischer Sprung des Glases.

    Der Ekkehard Wagner, "Glasschäden", Oberflächenbeschädigungen, Glasbrüche in Theorie und Praxis, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage 2008, Ursachen, Entstehung, Beurteilung, sihet dass anders als Sie bzw. genau so, wie ich es sehe.

    Ich habe es denn mal nachgesehen, was der meint.

    Der meint, das thermische Brüche im Glas, vom Rand der Scheibe aus gesehen -"immer und ausnahmslos"- rechtwinklich zum Glasrand verlaufen müssen (s. g. rechtwinkliger "Einlaufwinkel"). Darüber hinaus meint er, dass von der Glasscheibenflächenebene aus gesehen, der Bruch des Glases ebenso auch -"immer und ausnahmslos"- rechtwinkelig zur Scheibenoberfläche (s. g. rechtwinkliger "Durchlaufwinkel") sein muss, um für sich begünden zu können, ein thermisch ausgelöster oder verursachter Riss sein zu können.

    Im Ürbigen ist nicht ein einzige so genanntes Häckchen -ich weiß, die müssen nicht immer und ausnahmslos dort in einem derartigen Bruch zu sehen sein- vorhanden.

    Sofern das Foto vom Fragesteller eingestelle Foto nicht ein erster Klasse Foto ist und anhand dessen, was darauf zu sehen ist, dies lediglich kein allein thermisch verursachter Bruch zu sein scheint.

    Allenfalls ggf. ein Kobinationsbruch zwischen bzw. aus der thermischen und mechanischen Kombinationswirkung, was ebenso dort auch beschrieben wird.

    Jedenfalls lässt sich aus dem, was auf dem vom Fragesteller eingestellten Foto zu sehen ist, wohl eher -eben gerade lediglich bzw. nur- herleiten, dass es kein thermischer Bruch zu sein scheint, was in dem Fall jedenfalls aus der Ferne wohl eher am nächsten liegt. Zumal der Bruch die untere Rechte Ecke komplett abtrennt, was darauf hinweist, dass mechanische Einwirkungen statt zu finden scheinen.

    Jedenfalls kann ich da weiterhin nicht Ihrer Meinung entsprechend, die Fakten -die anhand dem derzeit eingestellten Foto lediglich (nur) sichtbar sind- sprechen einfach dagegen bzw. gegen einen -allein durch Temperaturunterschiede verursachten- thermischen Bruch.

    Ein paar weitere Fotos vom Fragesteller hier eingestellt, wären sicherlich auch hilfreich Vielleicht muss oder müsste ich dann -was ich derzeit allerdings kaum zu glauben vermag- meine Meinung ändern.

    Auf jeden Fall aber sind eben gerade deswegen weitere untersuchungen notwendig um eine hinriechend verlässliche und abschließende Aussage treffen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Reinartz

  11. @Herr Reinartz.....

    ......wenn Sie die aktuelle Ausgabe des Fachbuchs von Herrn Wagner nehmen (4. Ausgabe 2012) finden Sie auf der Seite 257 und 293 eine kleine Erwähnung von mir :-)

    Glauben Sie mir, auch Ekkehard Wagner wird diesen oben gezeigten Riss als Hitzeriss deuten, zweifelsfrei.

    Der rechtwinklige Ein- und Durchlauf befindet sich bei diesem Rissbild in einer Länge von ca. 5 mm vom Glasrand und ist unter der Glashalteleiste verdeckt.

    Die rücklaufenden Häckchen sind hier sogar mehrfach vorhanden, genau in der Mitte des Glasfächers.

    (Ich zeige Ihnen mal ein Detailbild im Anschluss, dort sehen Sie den rechtwinkligen sehr kurzen Riss-Einlauf, sowie ein Dutzend rücklaufender Häckchen) Dieser Riss wurde übrigens bei 85°K ausgelöst.

    Anhang:

    Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  12. Mag sein,

    also zumindest die Glasleiste raus und gucken, oder?

    Zumindest würde ich das empfehlen und auch selbst, wäre ich der Betroffene, nachsehen bzw. so machen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Reinartz

  13. Aber.... konnte der Kunde damit rechnen?

    Ahoj wie es oben schonmal angedeutet wurde, "Rechtsfrage" Warum die Scheibe aller höchster wahrscheinlichkeit nach wohl gerissen ist, konnten wir (Dankenderweise) ausführlih lesen (Dazu nochmal Danke - wirklich gemeint, und nicht ironisch)
    -
    Jetzt aber nicht den Kunden (Nutzer) auser acht lassen....
    -
    Was ist nach BGBA geschuldet?
    -
    So wird sich - kann sich - ein Richter auch Fragen:
    Die bauen was, was bei üblicher Nutzzung nicht hält, und weisen einen darauf nicht hin???
    -
    Oder anders gefragt, würde es möglichkeiten geben, es so zu bauen, das es bei der Einwirkung nicht zu Rissen kommen würde?
    -
    Noch mal bgb:
    ausgehend, von der "gängigen Verwendung einer Sache im Verkehr" . Die der Käufer .... erwarten darf!
    -
    Wenn man auf der Streasse, oder den Richter fragt, was er von einem solchen gegenstand (Fenster) erwartet..... wird nicht Riss kommen....
    -
    Ich habe es erst wieder in meinem bereich, von Kollegen gehört, die vor Gericht vorgetragen haben, das es physikalisch so und so ist.... Urteil: Genau anders herum, Begründung: mag so sein, aber damit rechnen ein Käufer nicht, er hat eine andere Erwartung.......
    die wurde nicht erfüllt, oder auf den Umstand hingewiesen, das er es hätte wissen können.....
    -
    Kann man als SV eigentlich nur mit dem Kopf schütteln..... Aber wenn man sich in den Kunden versetzt.......
    -
    Gruss
    ;-))
    https://books.google...%C3%BCte&f=false

  14. @Herr Bulka,....

    .......da haben Sie absolut recht. Aber das ist eben das schöne als Sachverständiger. Man darf sich mit Physik befassen und die Rechtsanwälte sollen dann etwas daraus stricken. ;-)
    -
    In der Antwort Nr. 5 habe ich geschrieben (sinngemäß) dass in Baden-Württemberg die innungsorganisierten Betriebe bei den Angeboten ein Beiblatt mitgeben (zumindest sollten sie es), bei dem auf die Möglichkeit von "Hitzerissen" hingewiesen wird.
    -
    Natürlich kann man sich jetzt fragen, ob es Sinn macht, bodentiefe Elemente zu planen, wenn dann ein Sofa davor gestellt wird. Oder anders gefragt: Muss, bei bodentiefen Verglasungen der Fenstermonteur davon ausgehen, dass diese Verglasung wieder zugestellt wird? Dann hätte man ja auch eine Brüstung hochmauern können! Zumindest wird diese Verglasung nicht gemäß Bauplan genutzt.
    -
    Aber das sind Fragen, deren Beantwortung ich gerne den Juristen überlasse. Ein böser Mensch hat mal gesagt:"Die Juristen haben deshalb Jura studiert, weil sie in Mathe oder Physik durch´s Abi gefallen wären. Darum sind die Urteile immer so komisch wenn´s um physikalische Ereignisse geht."

  15. jetzt folgt....

    in der Facebook Zeit...
    von mir hier nur ein
    Daumen hoch, Auf ihre Antwort.......
    -
    Gruß ;-))

  16. bei 85°K

    wär´s aber ein Kälteriss

  17. Ne, ne.....

    ....Kelvin wird in der Physik zur Angabe bei Temperaturdifferenzen hergezogen. Ansonsten wär´s in der Tat ziemlich frisch.

  18. Was läuft denn jetzt hier?

    Hat mal Jemand die Glasleiste heraus geholt und nachgesehen, oder interessiert das Thema hier den Fragesteller überhaupt nicht mehr, so wie es leider meistens ist, dass kein Feedback mehr kommt?

    Sorry, aber der Eindruck zwängt sich mir hier gerade auf.

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Reinartz


Hier können Sie Antworten, Ergänzungen etc. einstellen

  • Keine Rechtsberatung in diesem Forum - dies ist Rechtsanwälten vorbehalten.
  • Zum Antworten kann der Fragesteller sein selbst vergebenes Kennwort verwenden.
  • Andere Personen können das Kennwort wiki oder Ihr Registrierungs-Kennwort verwenden.
  • Kennwort