Schimmel am Fensterrahmen
BAU-Forum: Fenster und Außentüren

Schimmel am Fensterrahmen

Guten Abend! Ich habe ein großes Problem. Wir sind im Juli diesen Jahres in unser neues Haus eingezogen. Wir haben es mittlerweile geschafft, eine Luftfeuchtigkeit von ca. 48 % bei einer Raumtemperatur von ca. 21  -  22 Grad zu erreichen. Gelüftet wird mindestens 2 x täglich (quer, ca. 10-15 min), wobei ich nicht immer jeden einzelnen Fensterflügel öffne. Wir haben Holzfenster.
Nun musste ich feststellen, dass im Obergeschoss an fast allen Fenstern schwarzer und weißer Schimmel wächst  -  und zwar, wenn man das Fenster öffnet dort, wo die Gummidichtung des Fensterflügels auf die lackierten Holzleisten des Fensterrahmens trifft. Ich habe zwar schon alles mit Essigessenz abgewischt, aber man kann förmlich zusehen, wie sich neuer Schimmel bildet. Zudem ist mir aufgefallen, dass sich an eben den Stellen stets ein Wasserfilm  -  wie Tautropfen  -  bildet. Die Bauleiterin hat mir gesagt, sie hätte so etwas noch nie gehört oder gesehen, bemüht sich aber Informationen einzuholen. Die Fensterbaufirma weigert sich bereits, die Fenster anzusehen und meint, ich sei selbst schuld, weil ich nicht ordentlich lüften würde. Der Schimmel ist jedoch nicht im Raum, sondern eben an der Schnittstelle zwischen drinnen und draußen.
Wer kann mir einen Rat geben, woran es liegen könnte und was man dagegen tun kann. Ergänzen sollte ich vielleicht noch, dass der Schimmel nicht an den Fenstern im OGAbk. auftritt, die an der Südseite liegen und wo sowohl am Fensterflügel als auch am Rahmen Gummidichtungen sind.
Für Tipps danke ich im Voraus. Sophie
  • Name:
  • Sophie Maatz
  1. War bei im Bad uns ähnlich,

    wir hatten dort auch "im Rahmen" leichte Schimmelbildung. Wenn man das Fenster öffnete, war es dort in Zeiten wie jetzt, wo nachts auch Wasser am Scheibenrand kondensiert, morgens feucht, deshalb konnte es zu Schimmelbildung kommen. Abhilfe war einstellen der Beschläge, sodass das Fenster wirklich dicht schließt.
    Wenn die Fuge zwischen Fenster und Rahmen feucht ist, dann bedeutet das, dass das Fenster nicht richtig dicht schließt und in der Fuge Tauwasser ausfällt. Das ist dann klar ein Problem des Fensterbauers und sollte mit einstellen zu beheben sein. Den Altschimmel würd ich nicht mit Essigessenz abwischen, sondern den Lack abschmirgeln und neu lackieren (mit Grundierung!) lassen  -  auch Sache des Fensterbauers. (No Profi Antwort, ohne Gewähr)
  2. Hallo Sophie,

    Foto von Klaus-Hermann Ries

    entgegen der Meinung meines Vorredners kann der Fensterhersteller zu 99 %iger Sicherheit nichts für Ihr Problem.
    Die Gründe, warum es schimmelt, können vielfältig sein. Einen haben Sie schon entdeckt: wenn die Fenster doppelte Dichtungen haben passiert nichts. Warum das so ist, können Sie auf meiner Heimseite nachlesen.
  3. Schimmel im Fensterfalz

    Foto von Glasermeister u. ö.b.u.v.Sachverständiger Jürgen Sieber

    So wie Sie den Fall schildern, scheint die Ursache des Falles ziemlich klar zu sein.
    Erklärung:
    Holzfenster haben eine Dichtung in der Mitte der Fensterfälze. Bei den herkömmlichen Fensterkonstruktionen haben Sie eine kleine Fuge zwischen Rahmen und Flügel, dort können Sie bspw. ein Stück Papier dazwischen schieben.
    Dies ist Normal und bei Fenster vom Typ IVAbk.-68 konstruktionsbedingt und richtig so.

    Dieser Fenstertyp hat Jahrzehnte lang funktioniert. Er funktioniert auch heute noch, solange er nicht in Häuser eingebaut wird die dem Niedrigenergiehausstandard entsprechen. (Da heute aber fast alle Häuser so gebaut werden gibt's immer öfter die Probleme die Sie beschrieben haben.)

    In Niedrigenergiehäusern herrscht im Hausinnern ein etwas höherer Dampfdruck als bei anderen herkömmlichen Häusern. Dieser Dampfdruck dringt in die Fuge zwischen Rahmen und Flügel ein und wird erst bei der Dichtung in der Mitte des Fensters gestoppt. Dort sind die Temperaturen aber schon deutlich geringer als im Rauminneren, weshalb es zu Kondensat exakt am Dichtungsfalz kommt.

    Das Problem ist behoben, wenn auf der Flügelinnenseite (am Flügelüberschlag) eine zweite Dichtung eingebaut wird. Dann kann der Dampfdruck nicht in die Falzkonstruktionen der Fenster eindringen. Von Kunststoff-Fenstern kennen wir diese Dichtungen seit Jahren.

    Wenn Sie also ein Niedrigenergiehaus besitzen, dann ist die Ursache sehr wahrscheinlich darin zu suchen. Natürlich kann eine überhöhte Luftfeuchtigkeit ebenfalls mit eine Ursache für die Schimmelpilzbildung sein, sie trägt aber für dieses Schimmelbild nicht die Hauptschuld.

    Wenn das Haus nach 2002 gebaut wurde, hätte der Fensterbauer von diesen bauphysikalischen Zusammenhängen etwas wissen sollen. Es wurde zu genüge in den Fachzeitschriften publiziert.
    Lässt sich die Schimmelursache so bestimmen, wie ich es oben geschildert habe, dann schlage ich in solchen Fällen immer folgende Lösung vor.
    Der Fensterbauer fräst eine innere Überschlagsdichtung ein.
    Der Kunde bezahlt den Preis, den die Dichtung gekostet hätte, hätte er diese zum Zeitpunkt der Beauftragung der Fenster bestellt.
    Die Mehrkosten für den Aufwand der jetzt durch den eingebauten Zustand der Fenster entsteht, trägt der Fensterbauer.
    MfG
    Jürgen Sieber

  4. off topic: @ Sieber

    Ach Herr Sieber,
    Beiträge wie Ihr obiger versüßen mir immer wieder die Arbeitspausen, wenn ich tief gebeugt über prozessualen SV-Gutachten zur in Berlin grassierenden Schimmelproblematik an Holzfenstern sitze ... Ihre Erläuterung ist "rund", hilft dem Fragesteller und Ihr Lösungsvorschlag entspricht dem, was ein vernünftiger Bauanwalt empfehlen würde. Also soll hier auch einmal ein Lob für die Qualität einiger Beiträge ausgesprochen werden!
  5. @ Herr Sieber

    Werter Herr Sieber
    Ich schließe mich Herrn Siegel an, habe aber eine Frage.
    Wieso herrscht in Niedrigenergiehäusern ein höherer Dampfdruck? Sie erwähnen Fachartikel. Haben Sie da vielleicht einen Link?
  6. Hab' einen roten Kopf! :-)

    Foto von Glasermeister u. ö.b.u.v.Sachverständiger Jürgen Sieber

    Bei soviel Lob bekomme ich einen richtig roten Kopf, *schmunzel* herzlichen Dank für die Blumen!

    Nun zur Frage, warum Niedrigenergiehäuser einen höheren Dampfdruck im Hausinneren haben.

    Mit Hausfrauenphysik (dies ist nicht negativ gemeint) lässt sich das Phänomen erklären:
    Wir stellen uns vor wir kochen Kartoffeln im Schnellkochtopf.
    a) Der Topf ist luftdicht gegenüber dem Luftdruck der Küche.
    b) Im Topf befindet sich mehr Wasser in absoluter Menge wie in der ihn umgebenden Luft.
    c) Im Topf herrschen höhere Temperaturen als außen in der Küche.
    Durch diese drei Faktoren bildet sich ein ganz enormer Dampfdruck der den Topf zum Platzen bringen könnte, wenn nicht das Notventil wäre.
    Alle die schon mal Kartoffeln gedünstet haben kennen dieses Phänomen.

    Nun zum Niedrigenergiehaus.
    a) Das Niedrigenergiehaus ist nahezu luftdicht erstellt, wie der Topf.
    b) Im Niedrigenergiehaus befindet sich durch Kochen, Duschen, Waschen, Blumengießen, etc. mehr Feuchtigkeit in der Luft als außerhalb des Hauses. Wie beim Schnellkochtopf auch.
    c) Die Temperaturen im Haus sind höher (zumindest im Winter) als außerhalb. Ebenfalls wie beim Schnellkochtopf.
    Wir haben somit die gleiche Faktoren wie beim kartoffeldünsten, nur in geringerer Stärke.

    Dadurch entsteht im Hausinnern ebenfalls ein Dampfdruck, der allerdings geringer ist als im Schnellkochtopf, aber schließlich sind wir keine Kartoffeln. :-)
    Das ist auch der Hintergrund, warum seit einigen Jahren gefordert wird, dass die Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk luftdicht abgedichtet werden sollen. Überall wo sich Fugen in der Außenhaut befinden drückt dieser Dampfdruck hinein, kondensiert und kann Schimmel bilden.
    MfG
    Jürgen Sieber

  7. Merci ...

    Herr Sieber
    Meine Logik hatte gehakt und war beim Niedrigenergiehaus nicht automatisch auf die Luftdichtheit gekommen.
    Ich sage es ja, absolute Luftdichtheit macht nur Sinn mit Lüftungsanlage. Und die nur mit WRG. Sonst können wir auch gleich wieder undichte Fenster einbauen ;-).
  8. Foto von Stefan Ibold

    Moin,
    nein, macht nicht nur bei Lüftungsanlage Sinn.
    Der rel. hohe Dampfdruck ist auch bei "normalen" Häusern vorhanden. Wenn der hier in z.B. Holzkonstruktionen gelangt, schädigt er auch hier die Bauteile.
    Luftdichtheit macht immer Sinn.
    Sehen sie sich mal meine Schadenbilder bei der

    an. Ist schon schlimm, was da passiert wenn es nicht dicht ist.
    Grüße
    Stefan Ibold

  9. gnaa

    Foto von Stefan Ibold

    natürlich
    si

    • Name:
    • si

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