Kostenabschätzung Transparenz und den Zahlen zugrundeliegende Daten
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Kostenabschätzung Transparenz und den Zahlen zugrundeliegende Daten

Sehr geehrte Forumsmitglieder,

wir haben von einer Architektin ein Kostenvoranschlag erstellen lassen, um zu sehen, ob wir uns den von uns skizzierten Neubau leisten können. Die Architektin hat eine Zeichenansicht erstellt und uns die Grundrisse mit 3D Ansichten als Bilder zugesendet.

Auf Grundlage dieser Zeichnungen im CAD, so hat sie uns erklärt, würde dann die Kalkulation erstellt, also die m³ Mauerwerk x Materialkosten plus Handwerkerkosten etc.

Im Vorgespräch hat sie uns versprochen, dass wir alle Daten erhalten, damit wir die Kalkulationspositionen nachvollziehen können.

Jetzt händigt sie uns jedoch nur die unten beigefügte Positionstabelle aus. Es ist nicht erläutert, wie diese Werte tatsächlich zustande kommen. Im Prinzip könnten sie auch frei abgeschätzt sein, ohne jede Berechnung auf Grundlage der Zeichnungen.

Ich habe daraufhin die Architektin angesprochen und sie wimmelt ab, nach dem Motto, wir geben die Rechenwege nicht heraus, weil ich als Bauherr nichts damit anfangen könne. Wenn man an der einen Stelle etwas einspart, entsteht an der anderen Stelle eventuell ein Mehr an Kosten.

Ich fühle mich im Grunde veralbert. Wir zahlen 1600 € für diese Schätzung. Ich habe sie nach den Rohdaten gefragt. Sie arbeitet mit Nevaris. Sie sagt, mit den Rohdaten könne ich nichts anfangen, weil ich die Software nicht hätte. Einen Excel-Export gäbe es nicht.

In der Spalte aktuelle und geschätzte Preise stehen die selben Werte.

Ich hatte die Hoffnung, dass ich anhand der Kalkulationsrechnungen erkenne, welche Kosten an welcher Stelle entstehen. Welche Materialien wurden z.B. angenommen, Bodenbeläge, Betonarten, Fensterqualitäten, etc, welche Kosten wurden wo in der Kostenschätzung wie angenommen. Es handelt sich um ein Haus mit Garage. Beide werden vermischt. Sie bietet mir lediglich eine Besprechung an, nur das Thema ist so komplex, ich meine, das wird mir nicht helfen.

Ich wäre für eine Rückmeldung dankbar, ob die Kalkulation mit Nevaris nicht Kalkulationslisten per Mousclick auswirft, z.B. als Excel oder Word, sodass man eine volle Kalkulationstransparenz erhält.

Kann man bei Nevaris eventuell eine Kostenobergrenze eingeben, sodass das Programm automatisch den Bauzustand darstellt, an dem dann die Bauarbeiten enden?

Ich wäre für eine Einschätzung sehr dankbar!

Viele Grüße und vielen Dank!

Anhang:

Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  • Name:
  • Bertil
  1. DIN 276 und HOAI

    Zuerst wählen sie einen Architekten des Vertrauens. Eine Auswahl nach Angebotspreis ist unzulässig. Dieser macht nach Aufgabenstellung HOAIAbk. eine Kostenschätzung nach DINAbk. 276. Die Betonung liegt auf Schätzung. Genaue Preise ergeben sich durch eine Kostenberechnung und später durch Angebotspreise der Ausschreibung.

    Sie haben diese Kostenschätzung bekommen, mehr können sie derzeit nicht erwarten. Wohl oder übel muss das für die Finanzierung genügen. Schätzung bedeutet Erfahrungswerte mit Zu- oder Abschlägen (Zuschlägen, Abschlägen) aus dem persönlichen Eindruck von ihnen als Bauherr, pingelig und Bauernschläue bedeutet höher Schätzkosten, Kenntnisse über Architektur und Technik bedeuten genauere Schätzkosten.

    Abweichungen nach oben oder unten sind bei der Ausführung möglich, eher Mehrkosten die sich durch Planung und Sonderwünsche ergeben. Wenn sie kein Vertrauen in die Arbeit des Architekten haben, müssen sie den Auftrag abbrechen.

  2. Rohdaten Kostenabschätzung

    Vielen Dank Herr Kischner, für Ihre Einschätzung.

    Uns wurde die Kostenschätzung vorgestellt als eine Arbeit, die nicht nur auf Schätzung und Erfahrung, sondern auch auf harten Fakten wie Betonvolumen, (dazu wurden tragende Wände ermittelt) Flächen etc. die anhand einer professionellen technischen 3D Zeichnung ermittelt werden, basiert. Außerdem wurde die Kostenschätzung so dargestellt, dass jeder Architekt damit weiterarbeiten kann.

    Welche Daten (3D CAD-Datei, Faktoren, Datenexport aus der Kalkulationssoftware etc.) würde also ein Atchitekt benötigen, um die Arbeit fortzusetzen, also möglichst effizient?

    Möglicherweise gehen die Versprechungen, die die Architektin gemacht hat, weit über das übliche Maß der DINAbk. 276 hinaus. Ist sie daran gebunden?

    Selbst wenn die Kalkulation der DIN 276 entspricht, wie beurteilen Sie als Architekt die Aussagekraft der Kalkulation? Würden Sie einem Architekten raten, die Kalkulation so einem Bauherren vorzulegen, in der Absicht sehr gute Arbeit abzuliefern?

    Sollte ich die Form der Kalkulation als Bauherr so deuten, dass die Architektin kein Interesse hat, das Häuschen zu errichten, nach dem Motto, sie erfüllt gerade so die DIN 276, legt jedoch die Kalkulation so oberfläch aus, in der Absicht, dem Bauherrn ein Zeichen zu geben, er solle sich woanders beraten lassen?

    Vielen Dank!

  3. Herr Kirschner hat doch alles gesagt

    Foto von wiki

    Warum das Misstrauen? Probieren Sie sich doch nicht in Dinge hinein zu versetzen, für die andere jahrelang studiert und danach Erfahrung gesammelt haben. Ich muss meinem Steuerberater auch glauben, dass alles korrekt läuft. Ohne Vertrauen läuft nichts. Sonst hätte ich als Planer kein Interesse mehr an dem Auftrag …Theater ist vorprogrammiert.
  4. Nevaris Datenermittlung via 3DCAD-Leistungsbuch

    Mir wurde die Kalkulation nicht nach DINAbk. 276 angeboten. ICh erhielt das Versprechen, dass die Kalkulation nur anhand einer 3D CAD-Zeichnung erfolgen kann, mit einer Genauigkeit von +/- 10 %, und dass nur anhand einer solchen Zeichnung die Werte ermittelt werden können, die der Kalkukation mit nevaris erfolgen kann.

    Anhand der Nevaris  -  Schulungsfilme ist zu erkennen, dass man diese ermittelten Daten in NEVARIS einlesen kann und dass sie in einer Art Leistungsbuch hinterlegt werden.

    Also z.B. der Kostenpunkt Rohbau. Die Architektin hat versprochen, dass die tragenden Wände ermittelt würden, damit diese dann in den Rohbau einfließen.

    Es sind also die Daten da, ich möchte sie sehen. Ich möchte das so entstandene Leistungsbuch lesen, nicht nur die Inhaltsangabe.

    Wenn ein Fachmann 12 Stunden an der Kalkulation gearbeitet hat, müssen doch jede Menge Daten angefallen sein, die aus Datenbanken stammmen. Erst sie sind für mich interessant.

    Mir wurde das Versprechen abgegeben, dass anhand dieser Arbeiten, jeder andere Architekt daran weiter Arbeiten kann, ohne nochmals von vorn anfangen zu müssen. Welche Dateien würden Sie als professionelle Architekten einfordern, um an der 1.600 euro  -  Arbeit anzuknüpfen?

  5. Die Leistungen sind nicht auf A x B = C

    Foto von wiki

    herunterzubrechen. Die Gesamtmenge Mauerwerk, Stahlbeton, Holz, Wandflächen, m3 umbautere Raum und und und … plus die Erfahrung des Architekten bringen das Ergebnis.

    Das Ergebnis haben Sie. Auf mehr m.E. keinen Anspruch. Wozu auch? Wenn der Architekt mitliest, haben Sie bald keinen Planer mehr.

  6. Stufen

    Foto von Martin G. Halbinger

    Eine Gebäudeplanung ist in mehrere Stufen unterteilt, und zu jeder Stufe sind i.d.R. auch externe Informationen erforderlich. Für den ersten Entwurf sind diese externen Informationen die Wünsche des Bauherrn und baurechtliche Rahmenbedingungen. In den weiteren Stufen kommen dann z.B. Bodengutachten, Statik, Materialwünsche und vieles mehr dazu. Die derzeitige Schätzung kann passen, kann bei einem ungünstigen Baugrund aber auch schnell mal um 20 % nach oben verschoben werden, nur wegen dem Baugrund. Und viele andere Punkte können ähnliche Auswirkungen haben. Manches kann man als Planer mit Erfahrung abschätzen oder "vorhersehen". Vieles lässt sich verlässlich erst mit der weiteren Planungstiefe, Nachweisen von Fachplanern usw. ermitteln. Und zu guter Letzt kommen dann zeitweise Liefer- oder Materialengpässe dazu, die für bestimmte Bereiche auch schnell mal 20 % Mehrkosten verursachen und die ein Jahr vorher keiner vorhersehen konnte.

    Es gibt Firmen, die versprechen vorher Festpreise, rechnen dafür dann oft genug Reserven in die dann fest vereinbarten Preise ein, so das auch mit manchen Eventualitäten noch ein Gewinn übrig bleibt. Und für die "ganz bösen Überraschungen" steht dann eine Klausel im Vertrag, das diese Kosten doch weitergegeben werden. Dies macht alles Ihr eigener Planer nicht, da er an den Mehrkosten nichts verdient.

    Er hat aber keine Kristallkugel, keine Zeitmaschine und macht auch bei den ersten Skizzen noch keine Statik nebenbei mit... da Sie dann ja sicher die kosten dafür hinterfragen.

    Es ist ein Prozess mit einem Schritt nach dem Anderen, aber leider gab es genug Kunden, die nur nen halben Auftrag bezahlen, aber alle Daten nutzen und dann mit "Rohskizzen" die Ausführung abwickeln wollen.

  7. Über 73K für Architekt?

    Was verbirgt sich eigentlich hinter den Architekten und Ingenieurleistungen heutzutage? Bei mir (vor 20 Jahren) war das nicht so ein hoher Anteil an den Gesamtkosten.
  8. Bauen braucht Vertrauen

    da anscheinend schon in der Leistungsphase 1 (eventuell auch 2) das Vertrauen nicht mehr besteht, sollte der Vertrag einvernehmlich beendet werden.

    PS: @Kirschner

    [ Zitat Anfang ] ... Eine Auswahl nach Angebotspreis ist unzulässig. ... [ Zitat Ende ]
    Wie wäre diese Behauptung belegbar?
  9. Vertrauen kann man nicht Einfordern, sondern muss man sich erarbeiten.

    Ich habe die Architektin gefragt, sie meint ,es gäbe eine Formel dafür, möchte mir jedoch nicht mitteilen, wie sie die 73000 euro berechnet hat. Stattdessen fordert sie mein Vertrauen ein. Sie ist Gerichtssachverständige, wenn der Richter fragt, wie kommen sie auf die Hausbewertung, wird sie ihm wohl sagen, Aber Herr Richter, sie müssen mir vertrauen!

    Ich habe bis heute sechs E-Mails schreiben müssen und noch immer nicht alle Daten erhalten, die nevaris per Klick zur Verfügung stellt, wie z.B. die Mengenermittlung. Auch meine Bitte um die CAD-Daten werden schlichtweg ignoriert.

    In einem Nachbarort hat ihr eigenes privtes Haus verkauft, über eine Maklerin, das ganze Dach, voll Asbestschiefer, jedoch der Maklerin wurde nach ihren Angaben nicht mitgeteilt, dass dort Asbest liegen könnte, um potentielle Käufer zu informieren.

    Ich vermute, derzeit ist der Ansturm auf die Baubranche Architekten Sachverständige Handwerker etc. so gewaltig, dass die im Prinzip verlangen können, was sie wollen. Selbst wenn ihr Ruf leiden wird, der nächst Bauherr wird es in Kauf nehmen, weil er vielleicht sonst keinen Architekten findet.

  10. HOAI

    Foto von Martin G. Halbinger

    Nach erster Einschätzung könnte dies das Honorar nach HOAIAbk. sein, für alle Leistungsphasen. Welche Annahmen sie berücksichtig hat müsste man mal durchrechnen. Der Betrag ist erstmal aber nicht abwegig (wenn auch alle Leistungsphasen nach HOAI beaufragt werden) Die HOAI ist faktisch "Gesetz"...

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