Neubau

Statik Mauerwerk

Hallo,

ich begleite als Bauausschußmitglied den Neubau eines Gemeindesaals. Nun sind mir einige Punkte aufgefallen, die mich stutzig machen und da bräuchte ich Ihre Hilfe:
gemäß Statik wurde als Baustoff Baustoff für die Wände Mauerziegel HLz, Steinfestigkeitsklasse 12, Normalmörtel IIIa, Mindestrohdichteklasse 1,4 angenommen. Tatsächlich wurden aber
Steine der Firma Eder (Eder XP11) verwendet, die erheblich von den o.g. Werten abweichen:
Eder XP11, 30cm, Steinfestigkeitsklasse 8, Mindestrohdichteklasse 0,7.

Weiterhin wurden auf diesem Mauerwerk aufliegend Balken als sogenannte Randrippe eingeplant, die die Deckenbalken halten sollen. Diese Randrippe sollte 14x36cm stark sein, ist aber tatsächlich 16x36cm geworden. Es ist also zusätzlich zu den geringeren Festigkeitswerten auch eine höhere Last auf den Mauern.

Inwieweit sind die Abweichungen der Festigkeits- und Rohdichtewerte tatsächlich problematisch?

Name:

  • Tom
  1. IN der Regel hat das Mauerwerk

    so viel Reserven, daß davon kein Einsturz zu erwarten ist. Das ist die gute Nachricht.

    Die Mörtelgruppe IIIa ist vermutlich ein Schreibfehler und es sollte IIa sein.

    Diese Bauweise ist nicht mehr Stand der Technik. Wer so etwas entwirft hat die letzten 20 Jahre geschlafen.

    Das jetzt verwendete Mauerwerk entspricht eher der Energieeinsparverordnung. Aber es sollte die Statik für das neue Mauerwerk, evtl auf Kosten des ersten Planers, neu erstellt werden. Es kann bei diesen neuen Steinen an bestimmten Punkten zu Überlastungen kommen, die nachgewiesen werden müssen.

    Unter dem Begriff "Randrippe" kann ich mir nichts vorstellen. Aber die wenigen cm Abweichungen sind vom Gewicht her bedeutungslos.

  2. Vielen Dank für die beruhigende Antwort. ...

    ... Aber so ganz beruhigt bin ich doch noch nicht, da ich mir gut vorstellen kann, daß auch die großzügigst berechnete Statik ihre Grenzen hat. Immerhin sind bei dem berechneten Stein die Steinfestigkeit um 33% höher und die Rohdichte sogar um das Doppelte höher. Darüber hinaus sind die Lasten durch die stärkeren Balken höher. Die Mörtelgruppe IIIa ist laut Statik erforderlich, gemauert wurde aber mit Dünnbettmörtel.

    Die Konstruktion ist in der Tat merkwürdig. Es wurde Mauerwerk geplant, mit einem Ringanker. Auf diesem Ringanker liegt ein Holzbalken 16x36, an diesem Balken wurden die Dachbalken seitlich angeschraubt, die Dachbalken (ca. 12m!) liegen jeweils 5cm auf dem Ringanker auf und wurden an der Randrippe (also dem Balken 16x36) stirnseitig verschraubt. Ich hätte anders geplant, aber der Architekt hat sich durchgesetzt.

    Das gesamte Gebäude ist ein ganzer Raum mit schräger Decke, d.h. das Mauerwerk ist an einer Seite ca. 3,6m hoch, an der anderen Seite 5,6m hoch. Ist da die Abweichung von der Statik noch hinnehmbar oder drohen doch zumindest Risse oder ähnliche Schäden?

    Anhang:

    Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  3. Also die Tragfähigkeit des geänderten Mauerwerks ...

    ... muss natürlich überprüft und nachgerechnet werden. Aber was mir beim anschauen der Fotos auffällt, wo sind eigentlich die Aussteifungsstützen für die Mauerwerkswände?
    Querwände sind auch nicht zu erkennen. Beides nicht vorhanden, würde bedeuten: Akute Einsturzgefahr, und Gefährdung von Leib und Leben!!!

  4. Ich kann auch keine seitliche Aussteifung

    des Mauerwerkes erkennen. Aber man kann erkennen, daß es keine Heimwerker waren, die gemauert haben. Da vermute ich mal, die Profis haben darauf geachtet. Vor allem bei der Höhe wäre ihnen die Wand schon beim Errichten durch einen leichten Wind umgefallen. Aber , wie gesagt, zu sehen ist nichts.

    Grundsätzlich ergibt Dünnbettmörtel eine höhere Tragfähigkeit des Mauerwerkes gegenüber IIa. IIIa macht keinen Sinn, denn da würde die gute Eigenschaft von Mauerwerk, elastisch zu reagieren, weitgehend zunichte gemacht.

    Es kann trotzdem vorkommen, daß sich später ein kleiner oder auch größerer Riss im Putz abzeichnet, weil sich das Fundament ungleich setzt. Das kann man aber vorher nicht erkenen, ohne den Untergrund meßtechnisch genau zu untersuchen.

    Der Ringbalken auf dem Mauerwerk beseitigt meine Bedenken bezüglich einer zu hohen Belastung an einem Punkt. Dieser Beton verteilt die Belastung! Ich setze voraus, daß er auf der Außenseite ausreichend gedämmt ist.

    Ich kenne Ihren Vorschlag zur Sparrenbefestigung nicht. Aber schlecht ist die Lösung des Architekten nicht, weil eine geschlossene Wand entsteht. Es gibt vermutlich ein Biegemoment in der Wand, aber der Betonbalken ist ja auch noch da und etwas Biegung darf eine Wand aufnehmen.

    Ich vermute, daß Ihre Bedenken bezüglich der Standsicherheit unnötig sind.

  5. Vielen Dank für die Antworten. Ich ...

    ... habe nun den Architekten und den Statiker gebeten, mit den neuen Werten der Steine neu zu rechnen und bin nun auf die Ergebnisse gespannt.

  6. Es dürfte Arbeit machen und

    Sie müssen sich fragen wer dafür aufkommt.

    Aber der Nachweis der Tragfähigkeit der Steine ist eine Übung für einen Studenten im zweiten Semster. Das tragen die locker.

    Eine andere Frage ist, wie die Standsicherheit gegenüber seitlichen Windkräften erreicht wird.

    Da kann man keine Aussteifung auf dem Bild erkennen. Ich bin zuversichtlich, daß da Vorsorge getroffen ist.

  7. Also mich würde auch in erster ...

    ... Linie die fehlende Queraussteifung stutzig machen. MGIIIa ist Quatsch. (Dünnbettmörtel steht dem übrigens in der Festigkeit nichts nach). Es sei denn, es sollen noch 25 Geschosse oben drauf. Und das Mauerwerk ist auch nicht das Problem. Das kann aber der Planer in 2 Minuten nachweisen - sollte er auch ! Wahrscheinlich war das ursprüngliche Mauerwerk auch nicht 30cm breit geplant. Aber die fehlende Queraussteifung wird zu Problemen führen. Je nachdem, wie die Längsbalken am Auflager angeschlossen sind, wird allein schon die Durchbiegung der Balken bei Belastung bzw. das Schwinden und Quellen des Holzes (mindestens) zu Rissen führen.


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