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Innenwände

Erhebliche Abplatzung von Innenputz bei Bohrung: Gewährleistungspflicht

Liebe Expertengemeinde,

ich bitte um eine Einschätzung.

Folgendes ist passiert: in einem Neubau platzte bei einfachen Bohrungen in eine Betonwand an mehreren Stellen großflächig Innenputz ab. Es handelt sich um gewöhnliche Bohrlöcher für 8er Dübel mit einer Schlagbohrmaschine. Die Schadenbilder habe ich angehängt, im extremsten Fall haben die Abplatzungen einen Durchmesser von ca. 20cm.

Ein Baufachmann aus dem Bekanntenkreis bestätigte mir ein ungewöhnliches Schadenbild und vermutet fehlerhaft (also mit zu viel Wasser) angemischten Putz, ggf. zu dickes Auftragen des Putzes bzw. nicht ausreichende Austrocknung des Putzes als mögliche Ursachen (ich habe das Produktblatt des verwendeten Putzes, Knauf MP 75, ebenfalls angehängt).

Die Schäden sind meines Erachtens keinesfalls akzeptabel (Bohrungen sind ein alltäglicher Vorgang, der nicht mit großflächigen Abplatzungen einhergehen darf), und vom Bauträger im Rahmen der Gewährleistungspflicht als Mängel anzuerkennen und zu beheben. Dieser sowie die ausführende Putzfirma verweigern jedoch jegliche Verantwortung und verweisen lediglich auf "unsachgemäße, unfachmännische und mechanische Einwirkung", während die von mir vorgetragenen Argumente beiseite gewischt wurden.

Deshalb meine bitte an die sachverständigen Foristen hier: wie ist eine zweite, dritte .... Meinung zu den angehängten Schadenbildern, bzw. gibt es aus dem Produktblatt weitere Ansatzpunkte, um der Putzfirma Verarbeitungsfehler nachzuweisen.

Vielen Dank für fundierte Meinungen und Hilfen!

Anhang:

Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.

Name:

  • Midas
  1. Auch wenn ich aus der Entfernung

    nicht die wahre Ursache angeben kann, aber dieser Putz haftet bei richtiger Verarbeitung wie Pech an der Wand und fällt auch nicht derartig auseinander.

    Ist es möglich, daß auch die verputzten Ziegel ausgebrochen sind? Die heutigen hochdämmenden Ziegel brechen wie Glas und würden den Putz mitnehmen.

    Bei Beton muß allerdings ein Kontaktmittel zum bessren haften vor dem Putzen aufgetragen werden!

    Bevor ich einen teuren "Sachvertändigen" mit Ursachenforschung beauftrage, würde ich einen Außendienstmitarbeiter von Knauf herbeirufen. Der kennt sich besser aus, als mancher "Sachverstänige"

    Er hat natürlich ein Problem, weil die Putzfirma sein Kunde ist und weiterhin Mörtel bei Knauf kauft. Er wird sich also vorsichtig ausdrücken aber vermutlich keine Märchen erzählen.

    Können Sie denn belegen, daß es MP 75 war?

  2. Merci @Ralf Matthies für Einschätzung! Info ...

    ... Merci @Ralf Matthies für Einschätzung!

    Info und Produktblatt zu Knauf MP75 habe ich vom Bauträger erhalten, wurde also verwendet. Laut Produktblatt ist zur Grundierung Betokontakt oder Spraykontakt von Knauf zu verwenden, wäre auch mein nächster Ansatzpunkt.

    Zur Veranschaulichung habe ich nochmals Bilder in etwas besserer Qualtität für zwei der drei Stellen mit Abplatzung angehängt. An einer dritten Stelle auf (auf höhere Ebene) sind ebenfalls noch Risse entstanden.

    "Ein zu hoher Wasseranteil beim Anmischen ist ebenfalls ausgeschlossen." -> interpretiere ich als unbelegte Schutzbehauptung von Bauträger und Putzer (könnte man das denn verifzieren im Nachhinein?). Ebenso, dass ein anbohren eines Bewehrungseisen ursächlich ist (was mir vom Bauträger auch als Erklärung angeboten wurde), halte ich für hinfällig. Das hätte man bei der Bohrung gespürt, außerdem trat das Problem an drei verschiedenen Stellen der Wand auf.

    Anhang:

    Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.
  3. Halbwahrheiten...

    Da stecken doch schon 8er Dübel im Putz und vermutlich waren auch schon Schrauben in den Dübeln, was die Vermutung nahe legt, dass der Putz NICHT beim Bohren versagt hat, sondern später beim Festschrauben von irgendwas. Die schollenartigen Risse im Putz sehen mir aus wie Schubspannungsversagen im Innern des Putzes während des "Aufquellens der Dübel beim Schraubvorgang"

    Wurden denn die richtigen Dübel verwendet? Warum wurde nicht tiefer bis in die Betonwand geschraubt, sondern offenbar zu kurze Dübel verwendet, die nur den Putz belasten?

    Genau kann man das erst ergründen, wenn man die Putzschollen löst und sich Dübel und Bruchflächen dabei ganz genau anschaut.

    Mein erster Eindruck:
    Mit dem Putz und mit dem Haftgrund des Putzes scheint alles i.O. zu sein. Machen Sie kein Fass auf, sondern spachteln und malern Sie und machen Sie es beim nächsten mal bei der Auswahl der Dübel besser. Ist halt Lehrgeld - den Streit mit dem BT lohnt es keinesfalls. Ingenieur-, Anwalts- und Gerichtskosten sind 10x teurer als der Maler, der ihnen das in Ordnung bringt und einen Fremdschuldigen werden Sie vermutlich nicht finden.

  4. @Herr Tilgner: auch Ihnen herzlichen Dank ...

    ... für eine Einschätzung. Ich kann versichern, dass die Abplatzungen bereits während des Bohrvorganges entstanden sind. Die Dübel wurden zwar noch in die Wand gesteckt, aber geschraubt wurde nicht, da ich zuerst die Gewährleistungshaftung des BT abklären will. Die Dübel sind stecken nur "lose" drin und sind noch durch keinen Schraubvorgang aufgequollen.

    Kann ein "Schubspannungsversagen im Innern des Putzes" auch durch den Bohrvorgang erfolgen (bin keine Bauexperte ....)?

  5. wenn es ein Fehler des Verputzers war

    kann ich mir nur vorstellen, daß er bereits abgebundenen Mörtel mit Wasser wieder "verarbeitbar" gemacht hat.

    Diese Frage würde ich aber dem Außendienstmitarbeiter von Knauf stellen.

    Alle anderen Wege sind zu teuer, Maler und ausflicken ausgenommen.

    Ich kenne den MP 75 lediglich als einen sehr gut haftenden und auch "elastischen" Mörtel der viel erträgt und noch immer an meiner Bohrmaschine haftet.

    Es kann allerdings vorkommen, daß er auf einer bereits gefilzten und abgebundenen, glatten Fläche nicht ausreichend haftet. Dann löst er sich in großen Flächen ab.

  6. Wie gebohrt?

    Hallo,

    bei verputzten Betonwänden (besonders bei sehr hartem Beton) ist auch beim Bohren etwas Vorsicht geboten. Da ich aus dem Elektrogewerbe komme und viel Aufputzmontage zb.in Kellern durchführe, spreche ich wohl aus Erfahrung ;)

    Er ist sinnvoll nicht mit voller Drehzahl und Schlagkraft in einem durchzubohren, sondern durch den Putz und den 1. Zentimeter Beton mit etwas reduzierter Drehzahl. Gute Bohrhämmer lassen sich da vorzüglich regeln.

    Aber das haben Sie ja sicherlich beachtet.

    In der Betonwand wären normale Flossendübel besser gewesen als die verwendeten Kragendübel.

    Gruß Th. Groß

  7. Tja

    Und wenn das nicht geklappt hat mit dem vorsichtigen Anbohren der Betonoberfläche, dann kam es dort ggf. zu Abplatzungen der Betonoberfläche, was dann von hinten die Puttschollen abgedrückt hat. Sowas meinte ich u.a. als ich schrieb man müsse vorsichtig die Putzschollen abheben und das Bruchbild genau untersuchen... Kann sein dass man Abplatzungen am Beton findet als Ursache der Putzablösungen.

    Putzmängel halte ich nach wie vor für sehr unwahrscheinlich als Ursache der Schäden. Wenn er mit zu viel Wasser aufgerührt wOrden wäre, hätte er an Festigkeit verloren und würde nicht solch große harte Schollen beim Bruch ausbilden, sondern weich ausKrümel.
    (Das sagt mir meine Erfahrung als Putzer und Gipser)

    Ehrlich? Auch als Fachberater des Putzherstellers hätte ich kaum Verständnis, wenn ich zu einem solchen Bagatellprobleme gerufen werde... Lassen sie den Aufwand. Es bringt nichts, außer dass teure Ingenieurstunden verschwendet werden.


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