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Dach

Fußpfetten haben Kniestock verschoben

Hallo zusammen,

Vor 1 Jahr habe ich einen Altbau erworben. BJ 1910 o.ä. mit diversen Anbauten und Modernisierungen (1980, 1990, 2000). Der älteste Teil (EGA+DGA) war ursprünglich mal eine Schlosserei und wurde dann nach und nach zu Wohnraum umfunktioniert. Die Erweiterungen in Form von Anbauten und Aufstockungen erfolgten wie o.b. später. Bei der Renovierung des einen Dachzimmers beschlossen wir, das Dach komplett zu entkernen - in Etappen. Die Vorbesitzer hatten den Dachraum wohl der damaligen Stand der Technik entsprechend gedämmt und den Innenausbau vorgenommen, aber ein Marder o.ä. trieb sein Unwesen... Die Wände waren mit tapezierten Spanplatten verkleidet, das Dach ohne Unterspannfolie und 10x10er Sparren ist wohl eine Mischkonstruktion eines 2-fach liegenden Pfettendachstuhls und eines Kehlbalkendachstuhls. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Am mittleren Gefach ist ein Hängewerk ankonstruiert um im EG einen großen Werkraum zu ermöglichen. Ich habe geplant, den Dachraum einigermaßen fachgerecht zu renovieren und mit einer Aufsparrendämmung zu versehen. Ich möchte meine Eigenleistung hierbei so groß wie möglich einbringen, erfahrene Häuslebauer stehen mir mit Rat und Tat hin und wieder zur Seite.

Nun zum ersten Problem:
Die Dachlast und -konstruktion hat wohl den Kniestock (h ca.60cm) aufgrund der Last auf den Fußpfetten nach außen gedrückt. Am Außenputz (von 2000) sind an dieser Stelle keine Risse zu sehen, im Innenbereich ist diese Problematik jedoch eindeutig zu sehen.

Frage: ist es nötig, einen Baustatiker hinzu zu ziehen oder kann ich das bis zu einem bestimmten Punkt selbst bewerkstelligen?
Ein befreundeter Archtiekt riet mir, die derzeitige Situation mit passenden Laschen (M20 Gewindestab an Flacheisen geschweisst - habe ich mittlerweile hergestellt) zu stabilisieren, da die Verschiebung wohl zum Stillstand gekommen sei.

Welche Infos, Maße, Bilder werden benötigt, um eine sinnvolle Beurteilung ohne Inaugenscheinnahme zu ermöglichen. Eingabepläne von 1980 stimmen in Details nicht ganz mit Realität überein aber ich bin gerade dabei alles im CAD zu erfassen.

Gruß Ralf

Name:

  • R.S.
  1. Frage: ist es nötig, einen Baustatiker hinzu zu ziehen

    NATÜRLICH!!!
    da Sie selbst vermutlich nicht genug von Statik verstehen, um das Tragwerk nachrechnen zu können und die Stabilität nach Verformung nicht einschätzen können.

    Weiter schreiben Sie: "Ein befreundeter Archtiekt riet mir, die derzeitige Situation mit passenden Laschen zu stabilisieren, da die Verschiebung wohl zum Stillstand gekommen sei."

    Sind Sie sicher, dass der Archi das statisch überblicken kann?!?
    Wie kommt es zum Stillstand der Verformungen? Spontane Selbstheilungskräfte? Unentdeckte Lastumlagerungen?

    Also wenn es sich um ernst zu nehmende Verformungen (Schäden) handelt, dann holen Sie sich einen ordentlichen Statiker der ein sachgerechtes Sanierungskonzept erstellt. An dieser Stelle gilt: Geiz ist nicht geil, sondern strafbar leichtsinnig!

  2. Wie ist es möglich, daß der Kniestock nach außen gedrückt wurde

    aber am Außenputz nichts zu sehen ist?

    Im übrigen kann die Last des Daches den Kniestock nicht nach außen drücken, denn sie wirkt senkrecht.

    Aber eine Kehlbalkenkonstruktion ist mit einem Kniestock nicht vereinbar.

  3. @Wiki Auf das gesamte Dach wirken senkrechte ...

    ... @Wiki

    Auf das gesamte Dach wirken senkrechte (Eigengewicht, Schnee) und horizontale (z. B. Wind) Lasten. Irgendwo müssen diese Lasten dann ins Gebäude / darunterliegende Bauteile eigeleitet werden. Dies optimalerweise an einer Stelle, an der das Bauteil diese Last auch aufnehmen kann. Darüber hinaus kann es auch durch die Dachkonstruktion (z. B. Sparrendach) oder durch Materialverformungen (Holz bewegt sich z. B. bei Feuchtigkeitsänderungen) zu nicht unerheblichen Lasten kommen. Beim Sparrendach werden i.d.R. Zugglieder (Zangen, zugfeste Verbindung der Fußpfetten usw) vorgesehen.

    Ein gemauerter Kniestock kann horizontale Lasten senkrecht zur Wand nur seehr begrenzt aufnehmen, Daher wird daher seit Jahrzehnten oft ein betonierter Ringanker geplant.

    Ohne das statische System vollständig zu verstehen, wird es für Laien nicht möglich sein, Ursache, Folgen und Sanierungsmöglichkeiten zu finden. Wenn selbst der 2000 aufgetragene Putz bei einem Altbau Risse aufweist (soweit diese statische Ursachen haben) obwohl am statischen System keine Änderungen erfolgt sind, hab ich meine Zweifel, ob die Konstruktion schon zum Stillstand gekommen ist.

    Auch hat die geplante Aufdachdämmung ein Eigengewicht, evtl kommen noch Schalung, andere Latten usw. dazu. 10x10 sind jetzt auch keine "riesigen" Balken...

    Ein Archi hat mehrere Grundlagen auch mal gelernt, manche haben Ihr Statikwissen danach vertieft, viele haben es vergessen... daher will ich zur Qualifikation des guten Freundes mir keine Meinung machen...

  4. Hallo zusammen, gerade eben war der Statiker ...

    ... Hallo zusammen,

    gerade eben war der Statiker (Seniorchef mit 40 Jahren Berufserfahrung) da und hat sich ein Bild gemacht. Resúmee:
    die Dachkonstruktion, so wie sie vorliegt, hat man früher in dieser Gegend so gemacht - mit all ihren Nachteilen. Ich soll eine Firstpfette nachrüsten, die Laschen wie geplant einbauen (aber auch am Giebelgefach) und versuchen die Fußpfetten etwas beizuziehen. Zusätzlich soll ich die Sparren mit den Mittelpfetten verschrauben. Ursächlich für die Probleme ist im Großen und Ganzen die fehlende Firstpfette. Dadurch hat sich der First unter der Last der Sparren und aller angreifenden Kräfte um ein paar cm gesenkt und die Sparren haben die Fußpfetten in der Mitte etwas (3-5cm) nach außen gedrückt. Das Mauerwerk hat trotzdem noch hinreichend Stabilität. Da das Dach mit einer Aufsparrendämmung versehen werden soll, werde ich dann auf den Sparren noch 22er Rauhspund aufbringen. Das wird, zusammen mit den anderen Maßnahmen lt. Statiker dem Objekt die nötige Stabilität für die nächsten 100 Jahre geben. Im Bereich des Dachs/Kniestocks/tragende Wände sind keinerlei Risse im Putz. Die Risse beziehen sich auf einen Anbau der in den 83ern erstellt wurde. Durch Absenkung des (neueren) Bauwerks sind Risse im Anschlußbereich entstanden.

    Die Kehlbalken sind wohl keine Kehlbalken sondern lediglich eine Deckenkonstruktion. Da es sich um einen 2-fach liegenden Stuhl handelt, werden Kräfte nicht (nur) auf die Fußpfetten, sondern auch durch die Stuhlsäulen in die unteren 40er Wände eingeleitet. Demnächst kommt auch noch ein Zimmermann, um seine Meinung kund zu tun. Aber ich bin optimistisch, dass sich alles so entwickelt wie gewünscht. Danke für Eure kritischen Anmerkungen. Nur durch Informationen und Austausch lernt man - auch ich :-)

    Gruß Ralf

  5. Ich habe eine vergleichbare Konstruktion

    ohne Firstpfette mit Kniestock und ohne Risse.

    Aber ich habe im Kniestockmauerwerk mehrere bewehrte Betonsäulen im Abstand von 2 bis 3 m und ich habe kaum Stiele unter der Mittelpfette.

    Die Mittelpfette ist am Giebel und zweimal auf Querwänden gelagert, die die seitlichen Windkräfte ohne Probleme aufnehmen.

    Die Unterstützung des Firstes ist sicher eine sinnvolle Möglichkeit, den seitlichen Druck auf den Kniestock abzumildern. Aber man kann es auch mit einer oder zwei Querwänden erreichen.

    Meine Sparren sind allerdings 18 cm hoch (wegen der Dämmung) und nur 1,5 m lang zwischen "Mittelpfette" und First. Da senkt sich kein First, auch weil die Mittelpfette sehr weit oben angeordnet ist.


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